„Yoga muss nicht immer super sportlich sein“

Herrje, was sieht man nicht alles auf Instagram! Da turnen einem Yogis die verrücktesten Haltungen vor und wenn man sich dann im Varieté die Schlangenfrauen und Akrobatinnen anschaut, ist man überhaupt nicht mehr so wirklich beeindruckt, denn „meine Yogalehrerin kann das auch!“ Doch was ist Yoga eigentlich und muss ich super flexibel, sportlich und fit sein, um Yoga praktizieren zu können? Die Antwort liegt wahrscheinlich nahe: nein, man darf sein, wie man ist, denn Yoga ist für absolut jeden!

Was Yoga ist – und was es meiner Meinung nach nicht ist

Wenn man sich allerdings die ganzen erfolgreichen Instagram-Yogis so anschaut (und ich bewege mich seit einiger Zeit, vor allem mit meinem Yoga-Account @yoga_with_rici, auch in diesen Kreisen), dann muss man doch denken, dass jeder, der länger als ein Jahr Yoga praktiziert, mindestens schon die Krähe, einen Spagat und bitte auch den Unterarmstand beherrschen sollte. Kurz danach muss dann aber auch Kopfstand und Handstand drin sein und vergessen wir bitte nicht den Paradiesvogel und den stehenden Spagat, sowie die Seitkrähe. Das muss einen Anfänger-Yogi ganz schön abschrecken, denn man hat dort auf Instagram als Yoga-Neuling direkt das Gefühl „Das schaffe ich nie!“ Für viele hört Yoga deshalb schon vor der ersten Stunde wieder auf…

Und man merkt, dieses sportlich-kompetitive Yoga passt zwar wunderbar in unsere heutige Selbstoptimierungs- und Selbstdarstellungs-Zeit, klingt für mich aber ganz und gar nicht yogisch, denn was lernen wir im Yoga nach Patanjali?

Der Achtfache Pfad des Yoga nach Patanjali

Wir lernen unter anderem Pratyahara, eine vollständige Konzentration nach Innen und das bedeutet, wir vergleichen uns absolut nicht, niemals, mit anderen und eifern ihnen auch nicht nach. Und wenn wir Pratyahara mit den Yoga-Haltungen (Asana) und dem geführten Atem (Pranayama) verbinden, dann entsteht das, was wir Yoga nennen. Dazu kommen noch einige weitere Aspekte, wie etwa die Verhaltensregeln gegenüber uns selbst und anderen (Yamas und Niyamas) und der gesamte Aspekt der Meditation (Dharana, Dhyana und Samadhi).

Denn eigentlich, ursprünglich, ist Yoga kein Fitnesstrend und keine rein physische Praxis gewesen, sondern der lange Pfad der Yogis hin zur Wiedervereinigung der einzelnen Seele (Jiva), die sich fälschlicherweise mit dem physischen Körper identifiziert hat, mit dem Allumfassenden, dem Absoluten, dem Göttlichen (Brahman).

Doch natürlich ist es absolut okay, Yoga als physische Praxis zu nutzen, um sich gesunder und fitter zu führen, so lange man keinen unerreichbaren Idealen nacheifert, sondern ganz bei sich bleibt und schaut, was einem selbst gut tut…

Und genau das möchte ich im heutigen Artikel noch einmal betonen: Yoga muss nicht an jedem Tag super sportlich und dynamisch sein, sodass man ins Schwitzen kommt und sich auspowert. Auch das tut gut, keine Frage und ich liebe eine dynamisch-anstrengende Yogastunde, aber an manchen Tagen oder gerade, wenn man schon im Alltag viel Power geben muss, ist eine entspannte Yogapraxis einfach Gold Wert.

5 tolle Yoga-Übungen für mehr Ruhe und Entspannung

Und aus diesem Grund habe ich heute meine 5 liebsten Yoga-Asanas zusammengestellt, die mir dabei helfen, mehr Ruhe und Entspannung zu finden. Hach, einfach wunderbar, morgens nach dem Aufwachen die Wirbelsäule zu strecken und zu räkeln, oder nach einem langen Arbeitstag die Füße an der Wand hochzulegen.

Wenn du dich ebenfalls nach mehr Entspannung sehnst, probier diese 5 Haltungen gerne einmal aus
(wenn du dir nicht sicher bist, ob diese Haltungen für dich gesund sind, konsultiere vorher einen Arzt):

1.) Anahata Asana / Das nach unten schmelzende Herz:

Komme in den Vierfüßlerstand, die Hüfte genau über den Knien. Wandere mit den Händen an den Anfang deiner Matte, soweit es geht, während die Hüfte über den Knien bleibt. Lege deine Stirn oder dein Kinn auf der Matte ab und denke mit jedem Einatmen durch die Nase „Länge in der Wirbelsäule“ und mit jedem Ausatmen durch die Nase „Das Herz darf Richtung Matte sinken.“ Schließe die Augen und genieße die Haltung für einige tiefe Atemzüge, komme dann zurück in die Kindeshaltung (siehe Übung 5), um die Wirbelsäule zu neutralisieren.

2.) Supta Baddha Konasana / Der liegende Schmetterling:

Lege deinen Rücken entlang eines Yoga-Bolsters oder eines dicken Kissens ab. Winkle die Beine an, bringe die Fußinnenflächen zueinander und lasse dann die Knie nach unten und außen fallen. Du kannst deine Knie mit Yogablöcken oder Kissen von unten zudem polstern. Lege nun eine Hand auf deinen Bauch, die andere auf dein Herz, schließe die Augen und atme einige Minuten tief durch die Nase ein und aus. Schicke deinen Atem dabei bewusst in die Hüftregion, die sich hier angenehm öffnet. Richte dich anschließend auf, lege deine Hände an die Außenseiten der Oberschenkel und führe die Knie wieder zueinander. Umarme die Knie und lege deine Stirn auf den angewinkelten Knien ab, um zu neutralisieren.

3.) Viparita Karani / Die umgekehrte Beinhaltung:

Lege deinen unteren Rücken (die flache Knochenplatte am Ende der Wirbelsäule) auf einem quer gelegten Yoga-Bolster, einem Yoga-Block oder einem Kissen ab. Strecke die Beine Richtung Decke. Entweder hältst du die Beine entspannt nach oben gestreckt, oder du legst die Beine an einer Wand ab. Beides ist gleich wirksam in dieser wunderbaren Umkehrhaltung, in der sich alles entspannen darf. Leg die Arme an deine Seiten, die Handflächen zur Decke gerichtet und schließ die Augen. Atme einige Minuten ruhig und tief durch die Nase ein und aus. Entferne dann Bolster, Block oder Kissen zur Seite, winkle deine Knie an und bring sie zur Brust. Umarme die Unterschenkel mit deinen Händen und kreise über deinen unteren Rücken zur Neutralisierung.

4.) Setu Bandhasana / Die Schulterbrücke mit Blöcken:

Komme in die Rückenlage, winkle die Knie an und bring deine Füße hinter deinem Gesäß hüftbreit auf die Matte. Hebe kurz dein Becken an und platziere ein oder zwei Yoga-Blöcke mit der flachen Seite genau unter deinem unteren Rücken, etwa da wo dein Steißbein ist. Es sollte nichts drücken oder weh tun. Nutze hier die Blöcke, um mehr Gewicht Richtung Boden abzugeben und dich so in diesem Herzöffner ganz zu entspannen. Leg die Arme neben dir ab und atme für einige Atemzüge ruhig und tief durch die Nase ein und aus. Nimm dann die Blöcke seitlich heraus, stell die Füße an die seitlichen Kanten der Matte und lasse die Knie sich in Scheibenwischerbewegungen von Links nach Rechts bewegen, um die Hüfte zu lockern und zu neutralisieren.

5.) Balasana / Die Kindeshaltung:

Lege deinen vorderen Oberkörper zum Boden gerichtet längs auf einem Yoga-Bolster oder einem dicken Kissen ab. Bringe die Knie angewinkelt und mattenbreit zum Boden. Die großen Zehen berühren sich hinter deinem Gesäß, welches Richtung Boden sinkt. Lege deine Stirn vor dir auf einem Yoga-Block oder einem Buch ab und die Arme sind entspannt vor dir ausgestreckt. Schließe die Augen und atme in dieser sicheren, introvertierten Haltung tief durch die Nase ein und aus.

Am Ende deiner entspannten Yoga-Praxis komme gerne noch in den Fersensitz und sitze noch etwas hier, um nachzuspüren. Oder lege dich für einige Minuten in ein herrliches Savasana, deine Schlussentspannung beim Yoga.

Ich hoffe, dieser Beitrag inspiriert dich, diese entspannten Yoga-Haltungen auch einmal auszuprobieren und gibt dir vielleicht auch das Gefühl, dass Yoga wirklich nicht nur sportlich ist, sondern vor allem wohltuend und ganz wunderbar ist.

Meine Yoga-Kleidung ist übrigens das neue Cobra-Set in Braun von Hey Honey Yoga* und meine Korkmatte ist von Lotuscrafts**.

*Sample
**Selbstgekauft