Was mache ich hier eigentlich?

blog894

“Du hast doch gar keinen Grund, traurig zu sein.”

Das stimmt, objektiv betrachtet, total. Und doch wache ich in letzter Zeit immer wieder mit einem Kloß im Hals auf, oder bekomme plötzlich Herzrasen und muss mich schnell setzen. Ein klein wenig stecke ich in einer Sinnkrise und muss mir dazu selbst einmal klar machen, was es eigentlich ist, das mich bedrückt.

>> Ist es denn okay, das zu tun, was man liebt, frage ich mich, wenn kein Ziel zu erkennen ist, außer die persönliche Zufriedenheit? << Ich schreibe normalerweise ja nicht viel persönliches in diesem Blog auf, es kostet mich ziemlich viel Überwindung, das zu tun und das hier ist kein Jammertagebuch, aber manchmal muss es halt doch sein. Denn es ist komisch, eigentlich geht es mir sehr gut. Ich habe im Grunde alles, was ich mir wünschen könnnte, außer einer eigenen Familie vielleicht, aber um mich mit dem, was ich tue, Glücklich zu fühlen, dafür denke ich wohl zu viel nach. Zufrieden geben kann und möchte ich mich nicht. Es ist doch so: dieser Blog hier ist mein großes, liebgewonnenes Hobby, das zum Beruf wurde. Und hat dabei nichts von seiner Leidenschaft, Kreativität und Liebe eingebüßt, was ja viele befürchten oder kritisieren. Mein Blog ist nur stetig besser geworden und gewachsen. Und es freut mich unheimlich, von euch positives Feeback auf meine Artikel zu bekommen - egal ob hier, auf Instagram, Facebook, Twitter oder per Mail. Das freut mich immer sehr und gibt mir kleine Fünkchen an Hoffnung, dass ich das hier nicht komplett vergebens und aus unehrbaren Gründen führe. Ich weiß sehr wohl, dass dieser Blog zum Konsum anstiftet, den Kapitalismus in seiner reinsten Form unterstützt und ich eine Werbefläche für zahlreiche Marken bin, die sich natürlich freuen, hier eine Plattform zu haben, ihre neuen Produkte vorzustellen. Ich weiß das, ich stehe dazu... ... aber eigentlich möchte ich nur inspirieren, euch Trends und Stylingideen näher bringen und euch schöne, kleine Geschichten erzählen. Ich möchte euch tolle Bilder zeigen und mich auch mal aufregen dürfen. Aber im Grunde ist das alles, obwohl für euch ausgerichtet, nur für mich. Es ermöglicht mir ein leichtes Leben. Und ja, es macht verdammt nochmal Spaß. Aber wird es dadurch zu etwas Sinnvollem? Was kann ich euch groß geben, was ihr nicht auch auf einer Million anderen Blogs sehen könnt? Wer würde mich vermissen, wenn dieser Blog plötzlich nicht mehr wäre? Wo ist da der Mehrwert für euch? Eigentlich ist das einfach ein sehr bequemer, lustiger, spannender und doch entspannter Job für mich selbst. Ich hab mich vor keinem Chef zu rechtfertigen, ich kann aufstehen, wann ich will, kann Reisen und Champagner trinken, Macarons essen und hübsche Klamotten anziehen. Dabei verdiene ich damit auch noch genug Geld, um davon leben zu können. Das ist ziemlich nett für mich - es macht mir wirklich sehr viel Spaß - reicht mir aber natürlich auch nicht. Ich muss sehr viele Bücher lesen, mich unterhalten und immer neuen Input kriegen, damit ich mich nicht zu Tode langweile. Wenn ich könnte (sprich: die nötige Kohle hätte), würde ich nochmal studieren... Biologie oder Physik, denn Wissenschaft interessiert mich, aber eigentlich geht es mir mit dem Bloggen ziemlich gut. Kann ich mich damit nicht zufrieden geben? Was mich traurig macht, ist, dass ich damit niemand anderem wirklich etwas Gutes tue. Ich tue mir selbst Gutes, mein Immunsystem dankt es mir, ich war seit 1,5 Jahren nicht mehr krank, der Rest der Welt hat aber relativ wenig davon. Als Lehrerin, obwohl ich von allen Seiten getreten wurde und ständig erkältet war, konnte ich den Kindern wirklich etwas mitgeben. Nicht nur Wissen, sondern vor allem Werte und Liebe. Das war wundervoll, hat mich körperlich aber kaputt gemacht. Der Idiot zu sein, auf dem Eltern, Kollegen, Schulleitung und Senat herumhacken können, war nicht gerade eine Maßnahme, um persönliches, berufliches Glück zu erfahren. Und doch... irgendwie habe ich meine eigene Existenz zu dieser Zeit sehr viel mehr geschätzt. Die Kinder weinten, als ich ging. Wollten, dass ich bleibe. Danach war ich frei von Zwängen und Vorschriften, doch jetzt ist es im Grunde wurscht, ob ich existiere oder nicht. Ich kann ja niemanden mehr etwas wirklich Wichtiges weitergeben. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass es wichtiger ist, anderen Gutes zu tun als mir selbst. Ich gebe viel lieber als zu empfangen. Schenke lieber, als Geschenke zu erhalten. Ich bin vielleicht der hilfsbereiteste Mensch der Welt und dazu noch sehr aufmerksam und treu. Wenn ihr mit mir befreundet seid, auch wenn ich mich mal eine längere Zeit nicht melde, könnt ihr bei Problemen immer auf mich zählen. Komisch nur, dass ich immer von den anderen im Stich gelassen und irgendwann vergessen werde. Ich dränge meine Hilfe ja nicht auf. Ich bin nur da, wenn jemand fragt. Aber wenn ich mich jetzt in ein Staubwölkchen auflösen würde, könnte ich die Menschen, die das überhaupt jemals bemerken würden, fast an einer Hand abzählen. Und auch das stört mich eigentlich nicht besonders, sie werden schon ihre Gründe haben, aber irgendwie ist es seltsam, dass es doch an mir nagt. Ein kleines Bisschen. Ich hatte als Kind neben meinen Eltern noch einen weiteren Wegbegleiter, der mich sehr viele Dinge gelehrt hat. Ein weiser, intelligenter und spiritueller Mensch, der sich früher mal einen Namen von den Sannyasins (genau kenne ich mich da nicht aus) hat geben lassen und Kinderliedermacher ist. Bei ihm war ich jahrelang im Chor. Und wenn ich mir ihn anschaue, sehe ich vielleicht das genaue Gegenteil von mir, auch, wenn ich die Nächstenliebe wohl genau so in mir habe wie er. Er hat mir so viel gegeben, hat mich Werte gelehrt, die ich immer noch in mir trage, hat mir Mut und Freude geschenkt und mir ganz neue Weltansichten gezeigt. Er hat einen so großen Einfluss auf so viele Kinder in den 90er Jahren gehabt und hat es noch heute, dass ich mich frage, was ich hier eigentlich mache. Natürlich kann man dieses Guru-Ding auch kritisch betrachten, auch das tue ich, aber mir hat er bei der Persönlichkeitsentwicklung sehr viel mehr gegeben als meine damaligen Klassenlehrerinnen oder Mitschüler. Und trotz meiner Hippie-Eltern und dieses Musikers, trotz meines Aufwachsens im Garten und meiner Zeit im Kinderwald, trotz "Als die Tiere den Wald verließen" und trotz Second-Hand-Klamotten, trotz Klopümpel als Spielzeug statt Lego und trotz der Weltmusik bin ich jetzt hier und zeige euch, was ich so täglich als Klamotte trage. Natürlich trage ich gern Klamotten, sonst wär's auch ein bisschen kalt, und ich liebe es tatsächlich, mit Stoffen zu experimentieren, Silhouetten zu gestalten, mich zu schminken, meine Haare zu machen - hübsch auszusehen und dabei noch meine große Kreativität auszuleben. Aber ich bin kein Modepüppchen, kann mich damit einfach nicht zufrieden geben. Ich muss mehr machen, muss Anfangen, Wege zu finden, daraus etwas Nachhaltiges zu schaffen und auch den Blog noch vielfältiger zu gestalten, damit ihr auch einen Mehrwert daraus schlagen könnt. Damit es einen Sinn ergibt, dass es diesen Blog neben all den anderen auch in einigen Jahren noch gibt. Denn das wünsche ich mir schon. Ich möchte dieses liebgewonnene Baby nicht aufgeben, niemals im Leben. So lange es geht. Ich hoffe aber, ich schaffe mehr als das. Und noch viel mehr. Aber dafür brauche ich Zeit und muss diesen Gedanken noch einige Male in meinem Kopf drehen und wenden, bis ich zu einer sinnvollen Lösung für mich, aber vor allem für meine Umwelt, gekommen bin. Ich möchte es schaffen, dass ich nicht umsonst existiere. Nicht für Nichts jeden Tag wieder morgens aufwache. Und meine Werte, meine Liebe und alles, was mich beschäftigt, an jeden weitergeben, dessen Wege sich mit den meinen kreuzen. Jetzt habe ich so viel und doch gar nichts gesagt, denn was sich in meinem Kopf abspielt ist so viel verworrener und komplizierter als das, was ich hier in Worte fassen kann. Ich bin nicht einsam, ich bin nicht gelangweilt und ich bin nicht auf der Suche nach etwas unfassbaren. Ich möchte aber gerne verstehen und auf dem Weg dahin muss ich noch einiges ändern, um mich mit mir selbst in Einklang zu bringen. Aber da ich gelernt habe, dass es immer weiter geht und Dinge zu einem kommen und nicht anders herum, habe ich große Hoffnung, dass ich einen Weg finden werde, nachhaltig etwas zu erschaffen, was für dich, weite Welt, von Bedeutung ist. Ganz gleich, wie groß oder klein.


FOLLOW CATS & DOGS: [BLOGLOVIN’] [FACEBOOK] [TWITTER]

5 Comments

5 Comments on Was mache ich hier eigentlich?

  1. Sam Murakami
    Wednesday November 5th, 2014 at 03:48 PM (4 years ago)

    Wow, ich wusste nicht dass du gar nicht mehr als Grundschullehrerin arbeitest! Ich war fest davon ueberzeugt dass der Blog nur nebenbei und als Zusatz zu deiner Lehrtätigkeit besteht. Ein wenig schade finde ich das, denn damals, als du mir von deinem Job erzählt hast wirktest du echt glücklich – mit den Kindern zu arbeiten und ihnen etwas mitgeben zu können, so ungefähr waren deine Worte glaube ich. Und ICH habe damals danach darüber nachgemacht, ob das was ICH so mit meinem Leben mache denn so sinnvoll ist, da ich total inspiriert davon war, wie du von den Kindern gesprochen hattest (nicht dass ich je mit Kindern arbeiten könnte… ich schalte irgendwie in einen antisozialen Modus bei den meisten Kindern.) Das ist mir nur grad eingefallen als ich deinen Artikel las und ich kann es gut verstehen, wenn dir der Blog irgendwie nicht reicht. Ich liebe Bloggen, aber ich glaub es würde mich nicht ausfüllen auf lange Sicht. Ich denke solche Gedanken wie du sie hast sind völlig normal und ich denke, dass fast jeder Mensch sie ab und zu einmal hat. Hat das, was ich tue einen Mehrwert? Schließlich wollen wir doch alle irgendwie bedeutend sein :) Ich hoffe du ergreifst die Gedanken und Zweifel am Schopf und nutzt sie – ob du dich nun in einem anderen Arbeitsumfeld als Lehrerin probierst, deinen Blog weiterentwickelst oder was völlig Neues machst – ich wünsche dir viel Erfolg und dass du zufrieden wirst! :)
    Alles Liebe!
    Sam.

  2. Sophie
    Wednesday November 5th, 2014 at 05:42 PM (4 years ago)

    einfach nur wow. danke dafür – ich glaube du sprichst das aus, was einigen von uns “modepüppchen” so durch den kopf geht…

  3. Maike
    Thursday November 6th, 2014 at 10:33 AM (4 years ago)

    Ganz tolle und wahre! Worte schreibst du hier. Ich kann deine Gefühle wahnsinnig gut verstehen, denn ich selber arbeite als freie Musikjournalistin und manchmal fragt man sich schon ” Was soll das hier eigentlich?”. Mir ging es beim Job immer nur um meine Freiheit und Unabhängigkeit. Ich wusste schon immer, dass ich niemals einen Full-Time Job haben könnte. Oder einen Chef…..Das erfüllt mich schon und macht mich auch zufrieden. Auf der anderen Seite bleibt das Gefühl, eigentlich nicht wirklich etwas gegeben zu habe. Vllt. liegt es auch am Älter werden, denn vor ein paar Jahren war es mir weit aus mehr egal. Auch ich habe hier noch nicht die ultimative Lösung für mich entdeckt, aber mittlerweile engagiere ich mich 1 mal pro Woche ehrenamtlich in einigen Vereinen. Und das füllt diese innere Loch doch schon sehr, denn du bekommst eine unendliche Dankbarkeit zurück die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen ist.

  4. Ricky
    Saturday November 8th, 2014 at 10:30 AM (4 years ago)

    DANKE euch allen für eure Kommentare, die mir unheimlich viel bedeuten! <3 In meinem Buch wird es sicher ein Kapitel über die tollsten Leser der Welt geben, soviel ist sicher. Es geht immer weiter, auch hier. Nur der Wertefokus muss ein anderer werden... bald bald :)

  5. Steffi
    Sunday November 9th, 2014 at 03:05 AM (4 years ago)

    Grüß dich Ricarda!

    Mir ist das Gleiche wie Maike eingefallen.. ehrenamtlich. Besonders wenn du gerne mit Kindern arbeitest, gibt es bestimmt die Möglichkeit ehrenamtlich als Nachmittagsbeschäftigung Bastelstunden, kreative Nachhilfe zu organisieren.. oder Begleitung bei Ausflügen mitzukommen etc.
    Persönlich fällt mir nichts ein, damit man einen Blog nachhaltiger machen kann, ich denke das wird schon von alleine einen Weg gehen, aber bis dahin finde ich es wichtig, dass du persönlich – für dich – diesen Mehrwert schaffst. Das kann durch etwas ehrenamtliches sein oder ein fester Termin in der Woche. Ich konnte durch einige Gründe ein halbes Jahr nicht arbeiten und hab mir durch zwei Ballettstunden die Woche so ein bisschen Routine gegeben. Das hat so viel gebracht, weil ich wieder Struktur im Leben hatte und nicht “ich steh jeden Tag auf, wann ich will”.

    Ich schick dir liebe Grüße!