Shopping Queen Bloggerwoche – Au Backe!

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Also, also, ich könnt mich ja schon wieder aufregen, ne? Habt ihr das gesehen? 5 lustige Bloggerkolleginnen shoppen sich diese Woche einmal quer durch die schickimicki Boutiquen Münchens und zurück, schmeißen dabei Kohle für fragwürde Kunstledertaschen und erschossene Vögel in Form von vermeintlichen Röcken aus dem Fenster und das Internet kotzt infolgedessen über Modeblogger ab. Mal wieder. Was ja aber auch nichts Neues ist. Die Blogger protestieren hierauf, das würde ihrem Ruf schaden, dieses Bloggershoppingqueen. In den Medien manifestiert sich derweil weiter das Bild des strohdoofen Bloggermädels. Und ich? Hach, ich könnt mich ja echt… aber nein, ich hab Angst, dass ich zu Gernot Hasskneckt Version 2.0 mutieren könnte und dann an einem Herzinfarkt sterbe, deshalb einmal durchatmen und gaaaanz ruhig. Schauen wir uns derweil einen Kommentar von Herrn Hassknecht zum passenden Thema Privatfernsehen an: HIER ENTLANG, BITTE

So. Mir gehts besser. Und jetzt: Alter, Leute, was geht? Sowohl die Online-Zeitungen, Magazine und Twitter, die sich (das Thema hat doch schon mindestesns einen so langen Bart wie Daniela Katzenberger – hallo, VOX) darüber echauffieren, dass Modeblogger anscheinend alle einen IQ unter 70 und im Bezug auf Verhalten niemals das Grundschulalter überschritten haben, als auch die Blogger in ihren gemütlich eingerichteten Facebook-Bloggergruppen selbst. Also, also, also…

1. Wenn ich bei Shopping Queen mitmache, muss ich mir bewusst sein, dass ich zum Privatfernsehen gehe und die natürlich viel mehr Spaß daran haben, wenn ich als Dummchen, gackerndes Huhn und planlose Göre herumeiere, als daran, was und wer ich wirklich bin. Wisst ihr was, man kann Filmchen nämlich s-c-h-n-e-i-d-e-n! Und mal ganz im Ernst, sonst wär das Format auch echt ziemlich öde. Das ist Unterhaltungsfernsehen! Man muss allerdings auch aufpassen, wie man sich gibt, wenn man sich ins Schussfeld der Öffentlichkeit begibt. Da ist ganz besondere Vorsicht geboten!

Dass Nina, die am Montag dran war, durchaus intelligent und clever ist und dabei noch einen super Humor hat, davon konnte ich mich persönlich schon mehrfach überzeugen. Dem allgemeinen Privatfernsehzuschauer ist das pupsegal, sie kam ein wenig albern und unüberlegt rüber – aber klar, Nina hatte nach ihrer Folge um die 7000 Instagram-Follower mehr als zuvor. Wer also wirklich was drauf hat, da merkt auch der Zuschauer, dass die was kann. Bei ihr hat’s nach der Folge BÄM gemacht. Ihrem Ruf hat’s auch nur in der niederen Peripherie geschadet.

2. Und auch ihr da, die von welt.de (diese auch nicht gerade von journalistischem Mehrwert strotzende Onlinezeitung), hättet mehr ins Detail gehen können. Da wird auch wieder bloß an der Oberfläche gekratzt, ein wenig kritisiert und nichts weiter. Dass Blogger das Wort intelligent nicht aussprechen können, das wurde natürlich in der Sendung ausgiebig zelebriert. Ja, sicher, das beweist doch ganz klar und nachweislich: Fäshnblogger sind dumm. Natürlich, okay, sind nicht alle Modeblogger der Welt von Reflektiertheit strotzende Intelligenzbolzen, aber dümmer als 80% der Weltbevölkerung sind sie auch nicht.

3. Und JA, natürlich kann man auch für die Pandas Spenden sammeln, vor KFC demonstrieren und mit seinen Hippiefreunden im Kreis tanzen, damit es der Welt besser geht. Dazu gibt es ja bereits diesen Artikel von mir – danke rechtschön, ich mache mir auch Gedanken darüber, ob das hier alles so wirklich einen Sinn ergibt, aber dass Modeblogs erfolgreich sind zeigt ja auch irgendwie, dass Nachfrage besteht. Und ihr Nerds bei Twitter, die über Modeblogger abkotzen, dann ignoriert sie doch einfach. Oder demonstriert für die Abschaffung von Modeblogs. Oder schmiert euch ne Butterstulle. Aber seid doch nicht ganz so missgünstig die ganze Zeit.

4. Ins Fernsehen zu gehen ist an sich natürlich gut, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und seine eigene Marke zu pushen. Aber bitte dann doch in einem anspruchsvollen Format, wo das eigene, bei Shopping Queen ja so liebend gern betitelte “Expertenwissen” wirklich genutzt wird und jemand tatsächlich mit fundiertem Wissen über Mode und Trends spricht. Aber dann doch auch nicht im Privatfernsehen und nicht in so einem Format! Jessie hatte das mit “It’s Fashion” doch schon um Längen besser präsentiert. So geht das! Mehr davon, bitte!

5. Dass wir aber in unserem Berufsfeld in einer ziemlich dicken, wabernden Suppe schwimmen, aus der wir nur ganz schwer hinauskommen und deshalb viel zu wenig über den Tellerrand blicken, dass ist natürlich ein Problem. Dem Großteil der Bevölkerung ist es sowas von SCHEIßEGAL, was wir hier auf unseren Blogs fabrizieren, bewerben, toll finden, fotografieren, besingen, umtanzen, was auch immer. Wir denken, wir wären das Zentrum der Welt, aber schauen wir doch mal auf die Einkaufsstraße in Hannover City (ich wohne grad mehr oder weniger in Hannover, deshalb nehm ich das mal als Beispiel) – NIEMAND von denen liest deinen oder meinen Blog. Die ziehen sich das an, was ihnen persönlich grad cool erscheint, was die Kumpels geil finden, was die Mama einem kauft – oder es ist ihnen einfach komplett schnuppe. Wenn die Blogger Shopping Queen sehen, NATÜRLICH denken die: “Was ne verzogene Göre, nix als Klamotten im Kopp! Gibt doch viel Wichtigeres – GÄHN!” Weil es in diesem Format falsch rüberkommt und weil Mode eben NICHT alles ist, genau so wenig, wie ein Gemälde oder ein toller Song alles ist. Aber es ist schön und schöne Dinge machen manche – bestimmte – Menschen Glücklich. Und in einem guten, integeren Format würde so etwas sicher auch die richtigen, die passenderen Menschen, erreichen.

Und da haben wir unsere Daseinsberechtigung als über Mode schreibende Blogger. So lange wir mit unseren Blogs unsere wundervollen Leser inspirieren können, uns gegenseitig immer mehr ohne Neid und Missgunst unter Kollegen unterstützen wollen und können und so lange die Kunden unsere Arbeit lieben, so lange wird und sollte es auch Fäshnblogger geben. Und ja, ein paar wenige von uns machen sich wirklich Gedanken, sind traurig, nachdenklich, hinterfragen sich und möchten sich stets verbessern, kreativen Input liefern und Leute etwas glücklicher machen, als sie den Moment zuvor waren. Und das ist es, was ich unter uns Bloggern vermehrt (wenn auch natürlich nicht immer, aber es wird – glaube ich – langsam aber sicher besser) sehe und was mir Hoffnung gibt.

Klar gibt es zu viel Oberflächlichkeit, Aufgeblasenheit, viel so-tun-als-ob und viel Neid und Getuschel unter den Kolleginnen und in der gesamten Modebranche, und ja, das stört mich sehr (deshalb nervt mich auch die Fashionweek in Berlin) und macht mich nachdenklich, aber ganz ehrlich: das gibt’s auch in jedem verdammten Großraumbüro. Das ist eine Berufsbegleiterscheinung, damit kann man Leben, wenn man seinen Job liebt.

Aber: Wir müssen uns als Blogger ernster nehmen (aber immer noch mit Liebe, Witz und Freude am Beruf) und aufhören, wie die Hühner ständig rumzugackern. Mein Gott, wir sind bald alle 30! Wir müsen wissen, was wir wollen und wofür wir einstehen. Wir sollten den Leuten zeigen, dass wir nicht das Dummchen aus dem Internetzblog sind, sondern erwachsene, zielstrebige und businesserfahrene Powerfrauen, die alles schaffen können – wenn wir es nur wollen! Aber das geht nicht bei Shopping Queen und deshalb ist es auch egal, ob dieses Format mit dieser Bloggerwoche nun unseren Ruf noch weiter beschädigt oder auch nicht. Unseren Ruf zu verbessern, zu zeigen, was wir wirklich drauf haben, das haben wir am Ende selbst in der Hand.

Und das alles sollte jezt keine Rechtfertigung für mich oder mein Bloggerdasein darstellen. Aber manchmal, da könnte ich in Wände beißen – wenn die doch nur nicht so senkrecht wären. Aber jetzt geht’s mir besser.


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3 Comments

3 Comments on Shopping Queen Bloggerwoche – Au Backe!

  1. Jenny
    Friday November 28th, 2014 at 03:39 PM (4 years ago)

    Chapeau!!! Ganz ganz toll geschrieben und so wahr!
    Egal was für ein Blogger man ist, groß/klein, Neuling/Erfahren, Mode/Sport/Ernährung – total egal: jeder sollte wissen wofür er steht, wonach er strebt und genau das vertreten!
    Liebe Grüße
    Jenny

  2. Michael
    Friday November 28th, 2014 at 07:10 PM (4 years ago)

    Respekt an die VOX-Redaktion. Die Zusammenstellung der Kandidaten ist echt gelungen. Ich gehöre zur schreibenden Zunft (Print & Online) und war noch nie ein großer Fan von Bloggern. Es gibt natürlich Ausnahmen (deinen Blog finde ich z.B. ganz gut gemacht), aber wenn sich auch nur ein Drittel der Bloggerwelt derart im Alltag verhält … dann rette uns Gott!

    Alles wird in den Himmel gelobt, egal wie schrottig es ist. Hauptsache es ist gratis – oder von Papi bezahlt. Wer in Sachen Blogger den Durchblick hat, der kann darüber nur herzhaft lachen.

  3. Anna
    Tuesday December 2nd, 2014 at 10:24 PM (4 years ago)

    Lustig, wie die Meinungen diesbezüglich auseinander gehen!
    Ich habe mir die “Shopping Queen” Folgen der letzte Woche auch angesehen – und ich fand’s großartig. Diese Sendung stellt doch überhaupt nicht den Anspruch an sich, fundiertes Modewissen zu vermitteln oder Stilfragen zu beantworten – es geht einzig und allein um Unterhaltung und ich denke, dass den Teilnehmern das durchaus bewusst war. Klar, hier und da wurde das “Bloggertum” derbe auf die Schippe genommen, aber man darf den ganzen Kram auch nicht zu ernst nehmen und das macht die Sendung mehr als deutlich.
    Ich glaube, dass Blogger längst nicht mehr alle über einen Kamm geschert werden, deshalb können fünf Leute, die Spaß an der Mode haben und das im TV darstellen in meinen Augen auch nicht den “Ruf aller Blogger” beschädigen. Ich finde, dass jeder sein Ding so durchziehen sollte, wie er möchte – die eine als seriöse Powerfrau, die andere als gackerndes Huhn.

    Liebe Grüße
    Anna