blog749

Hallo VICE Deutschland, ihr begrüßt mich noch immer täglich in meinem Facebook-Feed mit bunten Bildern und schmissigen Headlines. Mir ist allerdings größtenteils schleierhaft, warum ich mir das noch antue. Doch dann, hin und wieder, bietet ihr mir so unglaublich wertvolle Lichtblicke des Boulevardjournalismus, dass sich mein Zeigefinger doch wieder davon abwendet, endgültig auf den “unlike”-Button zu klicken. Denn zwischen unglaubwürdigen und schlichtweg langweiligen Fünfersexgeschichten mit Bären in der russischen Tundra und #foodporn Artikeln zum Thema “Wie koche ich das perfekte Crystal Meth für mich und meine Freunde und richte es auch noch schön an, obwohl ich schon voll drauf bin?”, finden sich ab und an doch wieder so wunderschöne Stories wie der heutige Kein Schwein interessiert sich mehr für Modeblogs-Text. Geil. Echt, VICE. Ganz großes Kino.
Denn mal ganz abgesehen davon, dass sich “Kein Schwein mehr für die Banalität und unterirdische Qualität der Gesamtheit eurer Artikel, vor allem in der Onlineausgabe, interessiert”, das scheint ein wenig an euch vorbei gegangen zu sein, ist das Haten von Modeblogs sowas von 2013. Irgendwie habt ihr leider schon wieder den Anschluss verpasst und wusstet wohl abermals nicht, was ihr heute publizieren solltet. Naja, drei bis vier Kommentatoren konntet ihr eine Freude machen. Toll, wenn man mithaten kann. Das schafft Gruppendynamik und ein Gefühl von Gemeinschaft. Das unterstütze ich sehr!

“Doch bevor [sich die liebe Autorin Verena] jetzt darüber empört, dass ich es wage, ausgerechnet hier so etwas laut auszusprechen, muss ich euch sagen, dass es mir nicht leid tut.”

Wenn die VICE unbedingt und ausschließlich hatende Berliner Anti-Hipster – oder in Verenas Fall die Wiener Anti-Hipster-Riege – zu Wort kommen lassen möchte, soll sie das bitte tun. Die haben ja auch anderweitig nichts zu tun, können sonst nichts und stehen so wenigstens nicht unnötig vor irgendwelchen Cafés mit weißen Holztischen rum und präsentieren, cool mit ner Fluppe in der Hand, ihren neuen Boyfriend in der neuen Skinnyjeans von All Saints. Auch das untersütze ich sehr!

#foodporn
Wie bereits angemerkt, liebe VICE: mich interessieren weder Kochrezepte für Crystal, noch der Effekt, wie sich Spaghetti auf dem Teller tummeln, wenn man auf Magic Mushrooms ist. Wenn ich das wissen will, probiere ich es aus und lese keine stümperhaften, von Rechtschreibfehlern gespickten Artikel eurer amateuerhaften Hipster-Gastautoren, die sich beim Schreiben saucool fühlen, im echten Leben aber nichtmal trauen, sich in der Schlange vor dem Berghain anzustellen. Und ja, Essen – vor allem Macarons – auf Instagram nervt! “Granola with frozen Berries #yum #healthy” nervt auch. Aber das wird mittlerweile millionenfach von irgendwelchen Lesern, normalen Mädels, schamlos kopiert. So uninteressant können Modeblogs ja dann doch nicht sein, wenn all die Kids es ihnen gleichtun und erstmal zu Starbucks rennen, um sich dort nen Double-Chocolate-Muffin fürs Frühstücks-Instagram zu holen. #youdidnoteatthat natürlich. Kein Grund zu haten. Jedenfalls nicht ausschließlich auf die Modeblogger. Könnten wir stattdessen vielleicht einfach komplett Instagram haten? Dann hätten wir was gemeinsam… so ist es von euch einfach nur albern und unnötig.

Der Schreibstil
Wie extrem pauschalisierend Boulevardjournalismuss auftreten muss, um die breite Masse an dummen, einfältigen Lesern auf ihre Seite zu ziehen, ist kein unbekanntes Phänomen und kann von mir aus diesem Grund auch nicht kritisiert werden. Mir bleibt nur zu sagen: es gibt genug großartige deutsche Modeblogs mit wunderbarem Schreibstil, der dem möchtegern-hochgestochenem Gefasel der VICE-Autoren bis zur Raumstation ISS und zurück überlegen ist. Vielleicht solltet ihr von der VICE mehr Modeblogs lesen, um euch in Syntax und kreativem Schreiben wenigstens ein klein wenig weiterzubilden. Wahlweise könntet ihr eure Artikel allerdings auch einfach auf vier Wörter und ein Satzzeichen reduzieren und dabei den exakt gleichen Effekt sowie die selbe Aussage wie bisher beibehalten: “Ficken! Drogen! Alles Scheiße!!”

#OOTD
Ich stelle mir VICE-Autoren eigentlich alle vor wie die typisch unfähigen und verplanten, sich aber immer saucool fühlenden Hipster, die aber alle ein wenig zu dumm, zu dick oder zu picklig sind, um tatsächlich dazuzugehören. Aus diesem Grund sitzen sie zu oft vor ihrem Rechner, schauen zu viele Pornos und träumen davon, eine echte Drogenkarriere in Südamerika zu starten. Mit Frauen und Koks umd WUMMS und so. Oder wenigstens davon, eine Freundin zu finden oder zu hören, dass sie “hübsch” aussehen. Tatsächlich fehlt ihnen jedoch sogar der Mumm, in der Hasenheide ein paar Gramm Gras zu kaufen – das muss der Kumpel machen – und verfassen stattdessen einen weiteren Drogenartikel für die VICE. Oder haten sich fröhlich durch die Weltgeschichte. Sind neidisch auf Modeblogs, die Klamotten und Fans geschenkt bekommen. Und das in Primark-Shirts, weil das Gehalt der VICE, falls es überhaupt eines gibt, selbst für ZARA-Hemden zu gering ist.

Neidisch?
Ui, jetzt wird mir das hier langweilig. Ich muss dringend wieder dieses abgesenkte Niveau verlassen! Hut ab für das Durchhaltevermögen der lieben Modeblogger-hatenden Hipsterautorin Verena, die es geschafft hat, in unzähligen weiteren Kategorien offensichtliche Aspekte des Modebloggens aufzuzählen. Aufzählungen sind gut, das hat man in der Schule auch immer machen müssen. Denn mehr hat sie nicht getan. Das war doch keine wirkliche Kritik. Sich zu fragen, warum Modeblogger alle in weißen Wohnungen wohnen? Schonmal überlegt, wie viele NICHT-Modeblogger ebenfalls in weißen Wohnungen wohnen? Ich schätze, es sind deutlich mehr, dem IKEA-Katalog sei dank. Und Weiß ist halt auch einfach geil! Und Werbung machen auch! Und ach, Neid ist halt eine echt schlechte Eigenschaft.

Denn VICE, seid ihr wirklich neidisch auf meine Gratiszahnpasta? Jetzt echt? Ich schicke euch nämlich gern eine Tube vorbei! Und ein Shirt, was in Deutschland handgefertigt wurde. Sowas kriegen wir Modeblogger nämlich auch geschenkt – geil, oder?! Vielleicht können wir dann ja wieder Freunde sein.

“Die Welt wäre definitiv eine bessere, wenn nicht jeder geltungssüchtige Mensch, der sich nach den gängigen Hipster-Kriterien anzieht, [Gastautor bei VICE] wäre und uns für meinen Geschmack viel zu oft damit erleuchtet, dass die Neunziger modetechnisch gerade wieder voll im Trend sind.” Oder Drogenkonsum irgendwie cool. Oder Gruppensex total hip.

Trotzdem muss ich zugeben: gut gemacht, VICE. Denn anscheinend habt ihr es geschafft, mich dazu zu bewegen, auf euren Artikel zu reagieren. Ob es das Wert war? Ob das nicht unter meiner Würde ist? Keine Ahnung, das ist mir im Grunde auch Schnuppe. Fasst euch einfach öfter mal selbst an die möchtegern-verkokste Nase. Haten ist geil, wenn man es gut macht. Ihr macht das aber einfach noch nicht sehr cool. Mehr wollte ich euch gar nich mit auf den Weg geben.

Ich schicke euch ein virtuelles, typisch bloggermäßig-oberflächliches “bussi bussi” und freue mich über die Aufmerksamkeit, die ihr in Verenas Artikel uns Modebloggern gegenüber an den Tag gelegt habt. So lange man selbstironisch über sich lachen kann, kann man nämlich auch ein ganz guter Modeblogger sein. Oder auch VICE-Gastautor. Aber das mit der Selbstironie müsstet ihr dann erst noch lernen.



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