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ZARA-Jacke: schön, aber schlecht?

Dieser Artikel der lieben Nike von This Is Jane Wayne hat mich heute beim Frühstücksbrot kurz zusammenzucken lassen und zum Nachdenken gebracht. Nach der Lektüre aber einfach nur die Biergläser auf den Holztisch zu knallen und „Freilich, doa hat se Recht!“ in die Kommentarbox zu brüllen, reicht mir hier allerdings nicht aus.

Die Bekleidungsmarke ZARA als Zugpferd von Inditex mit faulen Tomaten zu bewerfen – klar, das kann man schon mal machen! Warum auch nicht, schließlich wurde der Textilhersteller im Laufe der letzten Monate mehrfach wegen mieser Arbeitsbedingungen an den Pranger gestellt. Sogar von Sklavenarbeit war da die Rede. Das hat man diskutiert und war sich einig, dass das so nicht weiter gehen kann. Von Inditex selbst gab es keine Rechenschaft. Und dann ging es doch einfach so weiter wie bisher… Und doch entdeckt man den Konzern neben Textilriesen wie H&M oder Adidas (die sich jetzt auch nicht gerade mit fairen Arbeitsbedingungen rühmen), wie sie ihre Unterschrift für Organisationen wie Roadmap To Zero hergeben. Das kann man natürlich auch einfach mal des guten Rufes wegen machen. Aber ob das so leicht ist? Leider steckt man da als schlichter Konsument viel zu wenig drin, als dass man das gut genug abschätzen könnte. Ich wünschte wirklich, ich hätte weniger Halbwissen!

Aber sind sie denn nun alle von Grund auf schlecht? Was ich sicher sagen kann ist, dass ZARA allein nicht Beelzebub in Person ist und es in keinem Verhältnis steht, ZARA und ganz Inditex der Verführung Jugendlicher Konsumenten zu bezichtigen, während Adidas fröhlich die nichts ahnenden Modeblogger mit kreativen Challenges zur günstigen Werbung für die Marke animiert und H&M zwar im Spiegel-Interview Frage und Antwort steht – doch wer den Artikel tatsächlich einmal gelesen hat, wird gemerkt haben, dass der Herr Persson da ganz schön ins Schwitzen kam und das ganze plötzlich gar nicht mehr so sehr nach Conscious Fashion klang, wie es vielleicht von H&M beabsichtigt war.

“Für die Konzerne sind wir Anziehpuppen mit Stilbewusstsein.”

Soweit, so schlecht. Wir sind ja Modeblogger und unser Hauptanliegen ist es, junge Menschen zu inspirieren, aber auch zu informieren und unsere Leidenschaft mit der Welt zu teilen. So jedenfalls sehen wir uns selbst.
Aber wie sehen uns die Konzerne und die Werbung? Für die sind wir schlichtweg Anziehpuppen mit eigenem Stilbewusstsein der Modekonzerne und unsere Daseinsberechtigung liegt für die darin, den Konsumwunsch in unseren Lesern zu wecken. Das klingt irgendwie sehr zynisch, aber so sehen uns die Modekonzerne zu 100 Prozent!
Und da kann ich die gute Nike, unsere Autorin des obigen Artikels, sehr gut verstehen, wenn es sie aufregt, dass auf schlichtweg 99% aller Modeblogs (meiner natürlich leider mit eingeschlossen) immer wieder Teile von ZARA beworben werden. Denn selbst, wenn man die Lookbooks, die Stores und den Onlineshop meiden will, auf den Blogs und auf LOOKBOOK ist ZARA eine der allgegenwärtigsten Marken.

Aber warum bekommt jetzt genau ZARA die ganzen faulen Eier ab? Ich will ZARA und ganz Inditex (also auch Mango, Bershka, Pull&Bear, Stradivarius und wer da noch alles mitmischt) auf gar keinen Fall in Schutz nehmen, ich bin mir sicher, dass die billig und nicht fair produzieren, (dass bei ZARA Designs 1 zu 1 von den Laufstegen gemopst werden, ist mir da eher egal) aber was ist mit den anderen Pappenheimern wie Topshop, MissSelfridge, ASOS, Forever21, NEXT um nicht gleich mit H&M, Primark oder den ganzen Blogger-Liebligsasiaten Romwe, Choies (die übrigens noch viel näher am Plagiat mit ihren Design-Klauereien als ZARA und co. sind) etc. anzufangen?

“Wo findet der Normalverdiener heute noch Mode, in der er sich wohl fühlen kann?”

So viele Modekonzerne berufen sich heute auf Modeblogger, arbeiten mit ihnen in Kollaborationen zusammen und erwarten die vollste Unterstützung. Doch wie sieht es mit dem Gewissen der Blogger aus? Im Ausland habe ich noch keine (!!) Modeblogger kennen gelernt, die sich ernsthaft darüber Gedanken gemacht hätten, WOHER ihre Kleidung kommt und WIE diese produziert wurde. In Deutschland sieht das da teilweise schon echt anders aus, auch wenn es auf den Blogs noch nicht wirklich erkennbar ist. Aber wenn ich nicht mehr bei Topshop, ASOS, Mango und ZARA kaufen kann…
WO, und das frage ich mit aller Inbrunst, findet der Normalverdiener dann heute noch Mode, in der er sich im wahrsten Sinne des Wortes wohl fühlen kann? Bei der er mit gutem Gewissen sagen kann: „Das Teil habe ich von….!“? und sich danach nicht verstecken muss, weil die Antwort wieder ZARA war.

Hier ein paar Beispiele, wo ich das tatsächlich mit gutem Gewissen sagen könnte:

Vintage-Mode, die nicht einfach bei eBay „Vintage-Dress“ genannt wird, sondern wirklich schon von mehreren Menschen getragen wurde. Ist auch besser für die Haut – Stichwort Schadstoffe! Schaut mal bei Oxfam oder Humana oder im Second-Hand-Shop um die Ecke.
Green Fashion und Fairtrade-Mode gibt es im Internet und in jeder Stadt und lohnt der Recherche. So teuer ist das meist gar nicht!
– In kleineren Läden einfach mal nachfragen und nachforschen lassen, wo die Sachen produziert wurden.
Selbst nähen… wer das Talent hat, ist natürlich fein raus.

Das allergößte Problem ist heute natürlich, dass wir zu viele sind. Die ganze Welt ist voller Menschen, die einfach und schnell alles konsumieren wollen. Und das ist bei allen von uns so. Und jetzt überlegt mal, wie viele wir sind! In Deutschland über 80 Millionen. In der Welt über Sieben Milliarden! Jetzt versorgt die mal alle mit Brot, Fleisch und mit Kleidung, am liebsten noch topaktuell und immer im Trend… der Wahnsinn! Die Produktion von fairer Mode ist bei so einer riesigen Anzahl von Menschen nur mit der vollen Unterstützung der Wirtschaft zu stemmen: Subventionierung von Fair-Trade-Konzernen, Green Fashion und Konzernen mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen wäre ein Anfang – aber die Wirtschaft ist im Rahmen unseres kapitalistischen Systems natürlich nicht gerade darauf erpicht, mehr Geld als nötig in etwas zu investieren, was nur der Gesundheit der Menschen zugute kommt und keine finanziellen Vorteile bringt.

Und doch: obwohl dieser Teufelskreis so wirkt, als wäre er niemals aufzubrechen, als könnten wir „eh nichts dagegen tun“ – wir alle können etwas tun. Ich persönlich bin seit 3 Monaten (bis auf einmal in Spanien, bei ZARA, oh Mann, so ein Mist!) überhaupt nicht mehr Shoppen gewesen. Und das tut schon ganz gut. Und wenn das nicht reicht, müssen wir mit unseren Freunden, Bekannten und mit unseren Lesern über diese Probleme ganz offen reden – denn der offene Dialog ist das, was die Konsumenten und irgendwann auch die großen Konzern immer mehr aufrütteln wird. Und dann verändert sich vielleicht doch etwas… irgendwann!

Deshalb noch einmal großen Dank an Nike von This Is Jane Wayne für den fantastisch-aufrüttelnden Artikel zum Frühstück!

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