Die Unwichtigkeit der Dinge

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„Du bist nicht das Maß aller Dinge!“

Ich habe gestern Abend eine Weltraumdoku nach der anderen angeschaut. Ich musste das tun, denn es hilft mir, mich in einem Moment des Verzagens wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und es zeigt mir immer wieder mit der größten Eindringlichkeit: „Ricarda, du bist nicht das Maß aller Dinge! Die Menschheit ist nicht das Zentrum des Universums!“

Menschen halten sich für so unheimlich wichtig. Sie setzen sich über alles, beuten ihre Erde aus und sich gegenseitig. Menschen können nie genug kriegen von allen Dingen und vor allem anderen: von sich selbst! Aber wisst ihr was? Sollen sie doch, der Erde ist das sowas von egal. Es ist auch egal, ob es in 100 Jahren noch Tiger oder Wale gibt, es ist egal, ob in 200 Jahren ein Atomkrieg oder in 2000 Jahren ein Space-Virus alles Leben auf der Erde beendet. Vielleicht knallt auch mal wieder ein Asteroid auf die Erde, wie damals in Mexiko vor zig Milliaren von Jahren. Dann ginge es uns wie den Dinosauriern – damals wurde 70% allen Lebens auf der Erde ausgelöscht. Und ich sage: Na und? Ist doch sowas von egal! Vielleicht überleben die Kellerasseln und bilden eine neue Zivilisation… mindestens bis in knapp 6 Milliarden Jahren die Erde endgültig verkohlt und von der sich ausdehnenden Sonne aufgefressen wird. Danach, einige Millionen Jahre später, wird sich nur noch ein abgekühlter Metallplanet um den weißen Zwerg drehen, der einmal unsere Sonne war… und was sagt uns das? Wir sind nichtmal ein Wimpernschlag im großen Ganzen der Dinge. Die Menschheit, ein komischer Zufall, den es auch nur für eine Millisekunde geben wird. Und wir machen uns Sorgen um unsere Steuererklärung… unfassbar!

„Die Menschen können nie genug kriegen… vor allem nicht von sich selbst!“

Ich glaube an das große Chaos, in das alles immer strebt. Ich glaube nicht an Magie, ich glaube nicht an Gott. Ich glaube an das System Zufall und nicht an die Vorhersehung. Nichts ist vorbestimmt, alles ist in einem konstanten Hin- und Herhüpfen, springen, sich unlogisch und für uns kleine Menschen unvorhersehbar verhalten. Dass unsere Planeten alle gerade so schön geordnet um unsere Sonne kreisen, ist auch nur eine Momentaufnahme, auch, wenn es uns Miniwesen wie eine Ewigkeit vorkommt. Es kann sein, dass in einigen Millionen Jahren der Mars als erster aus dem Sonnenstystem katapultiert wird und sich damit alles ändern wird – das Leben auf der Erde wäre beendet. Wieder einmal… sehr ihr, wie unwichtig wir sind? Wir sind nichts im Vergleich zu Allem!

„Es ist okay so, wie du bist, was du tust, wie du dich verhältst!“

Doch bei all dieser scheinbaren Entmutigung ermutigt mich genau das sehr! Warum? Weil es mir sagt: „Es ist okay so, wie du bist, was du tust, wie du dich verhältst:“

Oft frage ich mich ja, ob das, was ich hier täglich mache, überhaupt genug ist. Ob ich das Bloggen mit meinen ethischen Ansätzen vereinbaren kann. Und ob ich nicht lieber nachhaltiger, umsichtiger und moralischer handeln sollte. Ich zerbreche mir den Kopf um mein Verhalten, um meine Daseinsberechtigung. Ich habe manchmal ein sehr schlechtes Gewissen und bin schon mehrfach davor gewesen, das Bloggen sein zu lassen.

Doch dann mache ich sie mir wieder gewahr: die Unwichtigkeit aller Dinge! Und ich verstehe: ich lebe nur für mich. Mein Leben ist weniger als ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit. Ich bin ich, mehr nicht. Ich habe Fehler, bin nicht perfekt. Aber ich lebe und das noch sehr gesund, sauber und ruhig. Und das ist das Einzige, was zählt.

„Es ist nicht an mir, die Welt zu retten.“

Na gut, nicht ganz. Was noch viel mehr zählt, ist die Liebe. Die Liebe, das glaube ich, ist die größte unsichtbare Kraft im Universum. Vielleicht ist sie es, die etwas Ordnung in das Endlose Chaos bringt. Aber es ist nicht an mir, die Welt zu retten… die ist nicht zu retten, ihre Zeit ist, genau wie die jedes unserer Leben, gezählt. Nicht mehr lange, und es gibt für mich kein ICH mehr, nur noch ein paar Jahrzehnte, die es zu genießen, zu erkunden, zu erLEBEN gilt.

Sollten wir in dieser kurzen Zeit vor unserem Tod nicht einfach versuchen, zu leben, zu lieben und uns nicht so viel zu sorgen? Sollten wir nicht lieber das feuchte Moos nach einem Regen riechen, Barfuß über Sand laufen und Nachts erfürchtig in den Sternenhimmel blicken? Wir sind so klein, so unwichtig, warum sollten wir nach mehr streben als dem persönlichen, kleinen und sehr endlichen Glück?

In einem Kinderlied heißt es: „Wir sind nur ein Fussel im mächtigen All und irgendwie stimmt micht das heiter.“ Und genau das fühle ich jetzt wieder. Jetzt, wo mir meine persönliche Unwichtigkeit wieder gewahr wurde. Und das ist ein wundervolles Gefühl.

In diesem Sinne: Habt einen schönen Sonntag!

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1 Comment

1 Comment on Die Unwichtigkeit der Dinge

  1. Jasmin
    Montag, der 22. Juni 2015 at 13:07 (5 Jahren ago)

    Hey :)
    Interessanter Post! Ich finde auch, man sollte nicht alles an sich ranlassen und das Beheben des gesamten Weltenschmerz als seine Aufgabe ansehen, sich stattdessen lieber auf die wichtigen und esenzielle Dinge im Leben konzentrieren (die bei jedem gewiss unterschiedlich sind) allerdings finde ich nicht, dass man sich mit Situtationen einfach abfinden sollte, nur weil sie eh auswegslos erscheinen. Es lohnt sich immer für etwas zu kämpfen sei es nun für die Umwelt oder die letzte Brezel beim Bäcker. Ich denke das kann jeder für sich beurteilen aber ganz gleich, dass wir nur ein fitzel sekündchen in der Geschichte der Zeit einnehmen, ist es doch unsere Fitzelsekunde und die soll wunderschön und sinnvoll sein. Daher klar im großen Ganzen sind wir unbedeutend aber was bedeutet uns schon das große Ganze (Universum) ?
    Ich denke die Mischung machts auch hier mal wieder aus :D Ein bisschen mehr auf sich besinnen, aber niemals denken man sei der zentrale Ankerpunkt, mit dem alles steht und fällt.
    p.s. du hast so einen tollen Blog, bitte bitte nicht aufhören und weiter so machen :)